Muss ich bei einer Amazon-Bestellung eine Rechnung mit Umsatzsteuer schreiben?

Das hängt vom Käufer ab: Kauft ein Unternehmer für sein Unternehmen, musst du innerhalb von sechs Monaten eine Rechnung ausstellen (§ 14 Abs. 2 UStG); bei einer Warenlieferung an eine Privatperson musst du keine schreiben, mit einer Ausnahme beim Fernverkauf. Nutzt du den Umsatzsteuer-Berechnungsservice, erstellt Amazon die Rechnungen für Amazon-Business-Kunden für dich.

Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2026

Kurz gesagt

  • Pflicht: Binnen sechs Monaten, wenn ein Unternehmer geschäftlich kauft (§ 14 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 UStG).
  • Pflichtangaben: Namen, Anschriften, Steuernummer/USt-ID, Datum, Nummer, Menge und Art, Lieferzeitpunkt, Entgelt, Steuersatz, Steuerbetrag (§ 14 Abs. 4 UStG).
  • Kleinunternehmer: Weist du trotz Steuerfreiheit Steuer aus, schuldest du sie als unrichtigen Steuerausweis, bis du die Rechnung berichtigst (§ 14c Abs. 1 UStG); bei Rechnungen an Endverbraucher entsteht daraus laut BMF keine Steuer (BMF-Schreiben vom 18.03.2025; Abschnitt 14c.1 Abs. 2 UStAE).

Wann muss ich eine Rechnung schreiben?

Das Gesetz trennt Berechtigung und Pflicht. Du bist für eine Lieferung nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG immer berechtigt, eine Rechnung auszustellen (§ 14 Abs. 2 Satz 1 UStG). Zur Ausstellung binnen sechs Monaten nach der Leistung bist du verpflichtet, wenn der Umsatz nicht nach § 4 Nr. 8 bis 29 UStG steuerfrei ist und

  1. du an einen anderen Unternehmer für dessen Unternehmen leistest,
  2. du an eine juristische Person leistest, die nicht Unternehmer ist, oder
  3. es um eine steuerpflichtige Werklieferung oder eine sonstige Leistung im Zusammenhang mit einem Grundstück an einen anderen Empfänger geht.

Für die typische Amazon-Bestellung heißt das: Der Käufer ist ein Unternehmen, das für sein Unternehmen bestellt, und du musst die Rechnung ausstellen. Die Privatperson, die eine Ware bestellt, fällt in keinen dieser Fälle. Eine Rechnungspflicht entsteht aber nach § 14a Abs. 2 UStG, wenn du die Ware aus einem anderen EU-Land an sie nach Deutschland versendest (Fernverkauf, § 3c Abs. 1 UStG) und nicht am OSS-Verfahren (§ 18j UStG) teilnimmst.

Ein Beispiel mit einer Ware zu 238,00 € brutto (200,00 € netto plus 19 % Umsatzsteuer von 38,00 €), geliefert am 15. Oktober 2026 innerhalb Deutschlands:

KäuferRechnung nötig?Wer schreibt sie?
PrivatpersonNein, bei einer Warenlieferung keine PflichtNiemand; auf Wunsch darfst du sie ausstellen
Firma mit Amazon Business oder hinterlegter USt-IdNr., du nutzt den BerechnungsserviceJa, bis 15. April 2027Amazon bereitet sie vor und stellt sie zum Download bereit
Firma ohne Eintrag bei Amazon, die geschäftlich kauftJa, bis 15. April 2027Du selbst, mit den Pflichtangaben unten

In der Rechnung stehen dann 200,00 € Entgelt, 19 % und 38,00 € Steuer, zusammen 238,00 €.

Das heißt für dich: Du darfst immer eine Rechnung ausstellen, musst es aber in den genannten Fällen tun; bei der typischen Bestellung eines Unternehmens ist das der Fall.

Was gehört in eine Rechnung?

Nach § 14 Abs. 4 UStG enthält eine Rechnung:

AngabeInhalt
Namen und AnschriftenVollständiger Name und vollständige Anschrift von dir und vom Empfänger
Nummer des LeistendenSteuernummer vom Finanzamt oder Umsatzsteuer-ID vom Bundeszentralamt für Steuern
AusstellungsdatumDatum der Rechnung
RechnungsnummerFortlaufende, einmalig vergebene Nummer
WareMenge und Art (handelsübliche Bezeichnung)
ZeitpunktZeitpunkt der Lieferung
EntgeltAufgeschlüsselt nach Steuersätzen und einzelnen Steuerbefreiungen, samt im Voraus vereinbarter Minderung
SteuerSteuersatz und Steuerbetrag, oder bei Steuerbefreiung ein Hinweis darauf

Alle Pflichtangaben mit den Sonderfällen findest du in Rechnung: Pflichtangaben nach § 14 UStG. Bis 250 Euro Gesamtbetrag genügt eine Kleinbetragsrechnung (§ 33 UStDV), siehe Kleinbetragsrechnung bis 250 Euro.

Das heißt für dich: Eine Rechnung braucht die Pflichtangaben aus der Tabelle; bis 250 Euro genügt eine Kleinbetragsrechnung.

Elektronische Rechnung: Was gilt bei Verkäufen an Unternehmer?

Sind du und dein Geschäftskunde im Inland ansässig, ist die Rechnung nach § 14 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 UStG als elektronische Rechnung auszustellen. Bis zum 31. Dezember 2026 darf sie für Umsätze, die nach dem 31. Dezember 2024 ausgeführt wurden, noch auf Papier oder (mit Zustimmung des Empfängers) in einem anderen elektronischen Format übermittelt werden; bei höchstens 800.000 Euro Vorjahresumsatz gilt das auch für 2027 (§ 27 Abs. 38 UStG). Rechnungen bis 250 Euro und Rechnungen von Kleinunternehmern über steuerfreie Umsätze sind dauerhaft ausgenommen (§ 33 Satz 4, § 34a Satz 4 UStDV). Fristen und Formate im Einzelnen: E-Rechnung für Online-Händler: Wer muss wann? und E-Rechnung für Amazon Business-Kunden.

Das heißt für dich: An Geschäftskunden im Inland stellst du E-Rechnungen aus, mit den Übergangsfristen aus dem Abschnitt für Papier und andere Formate.

Was übernimmt Amazon für mich?

Mit dem Umsatzsteuer-Berechnungsservice bereitet Amazon die Rechnungen automatisch vor und stellt sie den Käufern zum Download bereit. Nach der Aktivierung stellt der Service Rechnungen und Gutschriften für Amazon-Business-Kunden und für Kunden aus, die ihre Umsatzsteuer-ID oder Steuercodes im Konto eingegeben haben. Amazon bittet ausdrücklich darum, nach der Registrierung keine Umsatzsteuerrechnungen und Gutschriften für Transaktionen mehr auszustellen, die der Service abdeckt. Die Rechnungen findest du in Seller Central unter Berichte, Steuerdokumente, Rechnungen mit ausgewiesener USt. Die Einstellungen im Einzelnen: Amazon Umsatzsteuer-Berechnungsservice (VCS).

Beachte: Amazon schreibt für Amazon-Business-Kunden und Kunden mit eingetragener Umsatzsteuer-ID. Ist ein anderer Käufer ein Unternehmer, der für sein Unternehmen kauft, prüfst du selbst, ob du die Rechnung noch schreiben musst.

Das heißt für dich: Amazon stellt Rechnungen für Business-Kunden und Kunden mit USt-ID aus; bei anderen Unternehmern prüfst du selbst, ob du noch eine schreiben musst.

Kleinunternehmer: Was passiert bei falschem Steuerausweis?

Ist dein Umsatz nach § 19 Abs. 1 UStG steuerfrei (Kleinunternehmerregelung), schuldest du keine Umsatzsteuer. Weist du in einer Rechnung trotzdem einen Steuerbetrag gesondert aus, schuldest du ihn als unrichtigen Steuerausweis, bis du die Rechnung berichtigst (§ 14c Abs. 1 UStG); bei Rechnungen an Endverbraucher entsteht daraus laut BMF keine Steuer (BMF-Schreiben vom 18.03.2025; Abschnitt 14c.1 Abs. 2 UStAE). Hast du in einer Rechnung einen höheren Steuerbetrag ausgewiesen, als du für den Umsatz schuldest, schuldest du auch den Mehrbetrag (§ 14c Abs. 1 UStG). Die Grenzen der Kleinunternehmerregelung sind 25.000 Euro im Vorjahr und 100.000 Euro im laufenden Jahr (§ 19 Abs. 1 UStG). Wie eine Rechnung ohne Steuerausweis aussieht, zeigt Kleinunternehmer-Rechnung schreiben: Pflichtangaben.

Das heißt für dich: Als Kleinunternehmer weist du keine Steuer aus, denn sonst schuldest du den ausgewiesenen Betrag, bis du die Rechnung berichtigst (außer bei Rechnungen an Endverbraucher).

Welche Fehler passieren oft?

  • Pflichtangabe fehlt. Ohne Rechnungsnummer, Leistungszeitpunkt oder Steuernummer bzw. Umsatzsteuer-ID ist eine Rechnung über mehr als 250 Euro unvollständig; bei einer Kleinbetragsrechnung bis 250 Euro reichen die Angaben nach § 33 UStDV.
  • Doppelt abgerechnet. Du schreibst eine eigene Rechnung, obwohl der Berechnungsservice sie für diese Transaktion schon erstellt.
  • Frist übersehen. Bei Geschäftskunden zählen sechs Monate nach der Leistung.
  • Steuer als Kleinunternehmer ausgewiesen. Eine gesondert ausgewiesene Steuer schuldest du dem Finanzamt, bis du die Rechnung berichtigst, außer bei Rechnungen an Endverbraucher (§ 14c Abs. 1 UStG).
  • Papierrechnung nach der Übergangszeit. Für Inlandsgeschäfte mit Unternehmern gilt die E-Rechnung, außer bei Rechnungen bis 250 Euro und bei Kleinunternehmern; die Übergangsfristen enden zum 31. Dezember 2026 und für kleinere Unternehmer zum 31. Dezember 2027.

Das heißt für dich: Prüfe Pflichtangaben, rechne nicht doppelt ab und beachte die E-Rechnung bei Geschäftskunden.

So hilft dir VAT GPT dabei

Eigene Rechnungen mit ZUGFeRD und XRechnung erstellst du schon im Free-Tarif. Die Umsatzsteuer aus deinen Amazon-Verkäufen rechnet VAT GPT aus dem Transaktionsbericht:

  1. Hochladen: Du lädst den Amazon-Transaktionsbericht als CSV hoch.
  2. Prüfen: VAT GPT ordnet jede Verkaufszeile ein und zeigt dir die Summen für Deutschland und die EU-Länder (OSS). Gebührenzeilen von Amazon verbucht es als Ausgaben.
  3. Senden: Das Senden an ELSTER gehört zu Pro.

Die Auswertung im Einzelnen: Amazon-CSV auswerten: Umsatzsteuer aus dem Transaktionsbericht (AVTR). Es gibt Free (Grundfunktionen, kostenlos), Go (30 Tage kostenlos mit allen Pro-Funktionen) und Pro. Jetzt kostenlos testen

Häufige Fragen

Muss ich bei Amazon eine Rechnung mit Umsatzsteuer schreiben? An Unternehmer, die für ihr Unternehmen kaufen, ja, binnen sechs Monaten. An Privatpersonen bei einer Warenlieferung nicht (§ 14 Abs. 2 UStG), außer bei einem Fernverkauf aus einem anderen EU-Land nach Deutschland ohne OSS (§ 14a Abs. 2 UStG).

Stellt Amazon die Rechnung für mich aus? Mit dem Umsatzsteuer-Berechnungsservice stellt Amazon Rechnungen und Gutschriften für Amazon-Business-Kunden aus.

Was gehört in eine Rechnung? Namen, Anschriften, Steuernummer oder Umsatzsteuer-ID, Datum, Rechnungsnummer, Menge und Art der Ware, Leistungszeitpunkt, Entgelt, Steuersatz und Steuerbetrag (§ 14 Abs. 4 UStG).

Darf ein Kleinunternehmer Umsatzsteuer ausweisen? Nein, sein Umsatz ist steuerfrei. Weist er trotzdem Steuer aus, schuldet er sie als unrichtigen Steuerausweis, bis er die Rechnung berichtigt (§ 14c Abs. 1 UStG); bei Rechnungen an Endverbraucher entsteht daraus laut BMF keine Steuer (BMF-Schreiben vom 18.03.2025).

Muss die Rechnung an einen Geschäftskunden elektronisch sein? Nach § 14 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 UStG ja, wenn beide im Inland ansässig sind; bis 31. Dezember 2026 (bei höchstens 800.000 Euro Vorjahresumsatz bis 31. Dezember 2027) gilt eine Übergangsregel (§ 27 Abs. 38 UStG). Rechnungen bis 250 Euro und Rechnungen von Kleinunternehmern dürfen immer als Papier- oder (mit Zustimmung) PDF-Rechnung gehen (§§ 33, 34a UStDV).

Wo finde ich die von Amazon erstellten Rechnungen? In Seller Central unter Berichte, Steuerdokumente, Rechnungen mit ausgewiesener USt.

Wann steht auf einer Amazon-Rechnung keine Umsatzsteuer, ist sie ohne Umsatzsteuer oder befreit? Keine Steuer weist aus, wer als Kleinunternehmer nach § 19 Abs. 1 UStG steuerfrei umsetzt; weist du trotzdem Steuer aus, schuldest du sie nach § 14c Abs. 1 UStG, außer bei Rechnungen an Endverbraucher (BMF-Schreiben vom 18.03.2025). Ob ein anderer Umsatz steuerfrei ist, prüfst du am Gesetz; eine Rechnung über einen steuerfreien Umsatz enthält einen Hinweis auf die Steuerbefreiung (§ 14 Abs. 4 UStG, Tabelle oben). Auch bei Reverse Charge steht keine Steuer auf der Rechnung, etwa auf Gebührenrechnungen eines im Ausland ansässigen Unternehmens: Dann schuldest du als Empfänger die Steuer (§ 13b Abs. 2 Nr. 1 und Abs. 5 UStG), und die Rechnung trägt die Angabe „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“ (§ 14a Abs. 5 UStG).

Warum kommt meine Amazon-Rechnung aus Luxemburg? Das betrifft deinen Einkauf bei Amazon, nicht deinen Verkauf. Laut Amazon sind Amazon EU S.à r.l. und Amazon Business EU S.à r.l. die Verkäufer der Produkte, die Amazon.de selbst verkauft. Was das für die Vorsteuer heißt, steht in Einkauf bei Amazon: Rechnung aus Luxemburg und Vorsteuer.

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