Vinted und Steuern: Ab wann ist Verkaufen gewerblich?

Ab wann ist Verkaufen auf Vinted gewerblich? Das Gesetz nennt keine feste Zahl. Gewerblich bist du, wenn du nachhaltig verkaufst, um Einnahmen zu erzielen (§ 2 UStG). Verkaufst du nur aus dem Kleiderschrank, zahlst du meist keine Steuern. Gegenstände des täglichen Gebrauchs sind ausgenommen. Bei anderen bleibt ein Gewinn unter 1.000 Euro im Kalenderjahr steuerfrei (§ 23 EStG).

Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2026

Kurz gesagt

  • Privat: Gewinn ist Verkaufspreis minus Anschaffungskosten; unter dem Einkaufspreis entsteht keiner (§ 23 Abs. 3 Satz 1 EStG).
  • Gewerblich: Es zählt die nachhaltige Tätigkeit, nicht eine feste Zahl an Verkäufen; die DAC7-Meldung macht dich nicht automatisch gewerblich.
  • Kleinunternehmer: Steuerfrei bis 25.000 Euro Vorjahresumsatz und 100.000 Euro im laufenden Jahr, im Startjahr bis 25.000 Euro (§ 19 UStG).

Kleiderschrank ausmisten: Wann bleibt der Verkauf steuerfrei?

Das Einkommensteuergesetz besteuert bei anderen Gegenständen als Grundstücken nur Verkäufe, bei denen zwischen Anschaffung und Verkauf nicht mehr als ein Jahr liegt. Ausgenommen sind Gegenstände des täglichen Gebrauchs (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG). Hast du mit dem Gegenstand in mindestens einem Kalenderjahr Einkünfte erzielt, zum Beispiel durch Vermietung, verlängert sich die Frist auf zehn Jahre (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 4 EStG). Was dazu zählt, regelt die Vorschrift nicht im Einzelnen. Auch bei einem Verkauf innerhalb eines Jahres kommt es auf den Gewinn an. Gewinn oder Verlust ist der Unterschied zwischen Verkaufspreis einerseits und Anschaffungs- oder Herstellungskosten sowie Werbungskosten andererseits (§ 23 Abs. 3 Satz 1 EStG).

Zwei Rechenbeispiele nach dieser Regel:

BeispielErgebnis
Jacke für 120 Euro gekauft, nach acht Monaten für 60 Euro verkauftVerlust von 60 Euro, kein Gewinn.
Schuhe für 40 Euro gekauft, nach sechs Monaten für 70 Euro verkauft, keine weiteren Verkäufe im JahrGewinn von 30 Euro, unter 1.000 Euro Gesamtgewinn: steuerfrei.

Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften darfst du nur mit Gewinnen aus solchen Geschäften im gleichen Kalenderjahr ausgleichen (§ 23 Abs. 3 Satz 7 EStG). Mehr als ein Jahr zwischen Kauf und Verkauf heißt bei anderen Gegenständen, mit denen du keine Einkünfte erzielt hast: kein privates Veräußerungsgeschäft im Sinne der Vorschrift.

Das heißt für dich: Verkaufst du gebrauchte Gegenstände aus dem Privatbesitz nach mehr als einem Jahr, ist das nach dem Gesetz kein privates Veräußerungsgeschäft.

Ab wann giltst du als gewerblich?

Unternehmer ist, wer eine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbstständig ausübt. Gewerblich oder beruflich ist jede nachhaltige Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen, auch wenn die Absicht fehlt, Gewinn zu erzielen (§ 2 Abs. 1 UStG). Ein Gewerbebetrieb ist eine selbständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt (§ 15 Abs. 2 EStG).

Kaufst du Ware ein, um sie bei Vinted mit Gewinn weiterzuverkaufen, ist das etwas anderes als der Verkauf eigener, getragener Kleidung: Du handelst dann mit der Absicht, Einnahmen zu erzielen. Ob die Merkmale des Gesetzes erfüllt sind, beurteilt sich nach den Umständen deines Einzelfalls; eine feste Verkaufszahl nennt das Gesetz nicht. Das BZSt empfiehlt, dich bei der Prüfung an die rechts- und steuerberatenden Berufe zu wenden.

Das heißt für dich: Ob du gewerblich handelst, beurteilt sich nach deinem Einzelfall; eine feste Verkaufszahl nennt das Gesetz nicht.

Was bedeutet die DAC7-Meldung bei Vinted?

Plattformbetreiber melden nach dem Plattformen-Steuertransparenzgesetz Daten ihrer Verkäufer ans BZSt. Ein Betreiber, der auch in einem anderen EU-Mitgliedstaat meldepflichtig ist, kann stattdessen an die Behörde dieses Staates melden (§ 13 Abs. 2 PStTG). Beim Verkauf von Waren bist du freigestellt, wenn du über dieselbe Plattform im Jahr weniger als 30 Verkäufe hattest. Dazu darfst du insgesamt weniger als 2.000 Euro Vergütung bekommen haben (§ 4 Abs. 5 PStTG). Die Plattform meldet bis zum 31. Januar des Folgejahres (§ 13 Abs. 1 PStTG). Das BZSt stellt klar: Erhältst du eine Vergütung über eine digitale Plattform, bist du nicht automatisch gewerblich oder selbständig tätig. Alle Einzelheiten stehen in DAC7-Meldung: Was Plattformen über Verkäufer ans BZSt melden.

Das heißt für dich: Eine DAC7-Meldung macht dich nicht automatisch zum gewerblichen Verkäufer, löst aber eine Meldung ans BZSt aus.

Was kommt dazu, wenn ich gewerblich verkaufe?

  • Gewerbe anzeigen: Wer ein stehendes Gewerbe selbständig anfängt, muss das der zuständigen Behörde anzeigen (§ 14 Abs. 1 GewO). Die Eröffnung teilst du auch dem Finanzamt über die Gemeinde mit, innerhalb eines Monats (§ 138 Abs. 1 und 4 AO). Wie du eine Steuernummer bekommst, steht in Steuernummer beantragen.
  • Umsatzsteuer: Als Kleinunternehmer ist dein Umsatz steuerfrei, wenn der Gesamtumsatz im Vorjahr höchstens 25.000 Euro betrug und im laufenden Jahr höchstens 100.000 Euro beträgt (§ 19 Abs. 1 UStG). Fängst du im laufenden Jahr neu an, zählt allein dein Gesamtumsatz in diesem Jahr. Es gilt die Grenze von 25.000 Euro (Abschnitt 19.1 Abs. 3 UStAE). Sonst beträgt die Steuer 19 Prozent der Bemessungsgrundlage, für bestimmte Gegenstände 7 Prozent (§ 12 UStG). Lies dazu Umsatzsteuer-Voranmeldung als Kleinunternehmer.
  • Einkommensteuer: Dein Gewinn gehört in die Einkommensteuererklärung. Siehe EÜR in ELSTER erstellen.

Die gleiche Abgrenzung für Kleinanzeigen findest du in Steuern bei Kleinanzeigen: Privat oder gewerblich verkaufen?.

Das heißt für dich: Verkaufst du gewerblich, zeige das Gewerbe an, lass dich steuerlich erfassen und erkläre deinen Gewinn.

Welche Fehler passieren oft?

  • Nur auf die Verkaufszahl schauen. Das Gesetz stellt auf Nachhaltigkeit, Einnahmen und Gewinnabsicht ab, nicht auf eine feste Zahl.
  • Den Einkaufspreis nicht festhalten. Gewinn ist der Unterschied zwischen Verkaufspreis und Anschaffungskosten (§ 23 Abs. 3 EStG); ohne Beleg lässt sich das schwer zeigen.
  • Die Jahresfrist vergessen. Bei anderen Gegenständen als Gegenständen des täglichen Gebrauchs zählt der Zeitraum zwischen Kauf und Verkauf.
  • Eine DAC7-Meldung als Steuerbescheid lesen. Sie ist eine Kontrollmitteilung an das Finanzamt und setzt keine Steuer fest (BZSt).
  • Als Kleinunternehmer Umsatzsteuer ausweisen. Du darfst sie in Rechnungen nicht gesondert ausweisen (Finanzamt Hessen).

Das heißt für dich: Schau nicht nur auf die Verkaufszahl, sondern auf Nachhaltigkeit, Einnahmen und Gewinnabsicht, und weise als Kleinunternehmer keine Umsatzsteuer aus.

So hilft dir VAT GPT dabei

VAT GPT ist die Steuer-Software für Online-Händler, Selbstständige und kleine Unternehmen in Deutschland. Sie berechnet und gibt an einem Ort ab, in dieser Reihenfolge:

  • die OSS-Meldung
  • die Umsatzsteuer
  • die EÜR
  • die Gewerbesteuer
  • die Einkommensteuer

Hast du den Schritt zum gewerblichen Verkauf gemacht und verkaufst auch über eBay, geht es in drei Schritten:

  1. Hochladen: Du lädst den eBay-Bestellbericht als CSV und deine Rechnungen hoch. VAT GPT erkennt den Bericht an der Spalte Verkaufsprotokollnummer. Aus den Rechnungen liest die KI Beträge, Länder und Steuersätze aus.
  2. Prüfen: VAT GPT berechnet die Umsatzsteuer für Deutschland und OSS. Du prüfst und bestätigst.
  3. Senden: Das Senden über ELSTER gehört zu VAT GPT Pro.

Im selben Konto erstellst du Umsatzsteuer-Voranmeldung, Umsatzsteuer-Jahreserklärung, OSS-Meldung, EÜR, Gewerbesteuer- und Einkommensteuererklärung.

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Häufige Fragen

Muss ich bei Vinted Steuern zahlen? Als Privatperson in der Regel nicht, wenn du eigene Sachen verkaufst: Es kommt auf die Jahresfrist, den Gewinn und darauf an, ob es Gegenstände des täglichen Gebrauchs sind (§ 23 EStG). Verkaufst du nachhaltig, um Einnahmen zu erzielen, giltst du als Unternehmer (§ 2 UStG).

Ab wann ist Verkaufen auf Vinted gewerblich? Dafür nennen § 2 UStG und § 15 EStG keine feste Zahl. Maßgeblich sind Nachhaltigkeit, Einnahmen und die Umstände des Einzelfalls.

Wie berechne ich meinen Gewinn? Verkaufspreis minus Anschaffungskosten und Werbungskosten (§ 23 Abs. 3 Satz 1 EStG).

Ab wann ist der Gewinn aus privaten Verkäufen steuerfrei? Wenn der Gesamtgewinn im Kalenderjahr weniger als 1.000 Euro beträgt (§ 23 Abs. 3 Satz 5 EStG).

Wird meine Vinted-Tätigkeit ans Finanzamt gemeldet? Das hängt davon ab, ob die Plattform nach dem PStTG meldet und du die Grenzen von 30 Verkäufen oder 2.000 Euro Vergütung erreichst (§ 4 Abs. 5 PStTG). Prüfe die Hinweise deiner Plattform.

Brauche ich als gewerblicher Verkäufer ein Gewerbe? Wer den selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes anfängt, muss das der zuständigen Behörde anzeigen (§ 14 Abs. 1 GewO).

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Keine Steuerberatung: Die Inhalte ersetzen keine individuelle Beratung.

Quellen

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