Shopify und Umsatzsteuer in Deutschland: Was Shop-Betreiber wissen müssen
Du betreibst einen eigenen Shop, zum Beispiel mit Shopify? Dann schuldest du die Umsatzsteuer selbst: 19 Prozent, ermäßigt 7 Prozent (§ 12 UStG). Kleinunternehmer sind bis 25.000 Euro (Vorjahr) und 100.000 Euro (laufendes Jahr) befreit (§ 19 UStG). Liegen deine Verkäufe an Privatkunden in allen anderen EU-Ländern zusammen über 10.000 Euro, gilt grundsätzlich die Steuer des Ziellandes (§ 3c UStG).
Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2026
Dieser Artikel erklärt die steuerlichen Regeln für Händler mit eigenem Online-Shop. Die Einstellungen im Shop-System selbst erklärt er nicht.
Kurz gesagt
- Du schuldest die Steuer: bei Lieferungen im Inland, egal mit welchem Shop-System (§ 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG).
- EU-Kunden: Über 10.000 Euro Fernverkäufe gilt grundsätzlich das Zielland. Erklären kannst du es im OSS (§ 18j UStG).
- Drittländer: Ausfuhrlieferungen sind steuerfrei, wenn du die Voraussetzungen nachweist (§ 6 UStG).
Muss ich als Shopify-Händler Umsatzsteuer abführen?
Ja, wenn du Unternehmer bist und im Inland Lieferungen gegen Entgelt ausführst (§ 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG). Unternehmer ist, wer eine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbstständig ausübt. Gewerblich oder beruflich ist jede nachhaltige Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen (§ 2 Abs. 1 UStG). Verkaufst du in deinem Shop auf Dauer Ware, um Einnahmen zu erzielen, trifft das zu.
Für alle deine Umsätze befreit bist du nur als Kleinunternehmer (siehe unten). Einzelne Lieferungen können steuerfrei sein, etwa Ausfuhrlieferungen in Drittländer (§ 4 Nr. 1 Buchst. a UStG). Die Voranmeldung und die Jahreserklärung gibst du beim Finanzamt ab. Wie das in ELSTER funktioniert, steht in Umsatzsteuer-Voranmeldung online abgeben. Verkaufst du auf otto.de, lies den Beitrag Umsatzsteuer bei Otto Market. Was bei einer Umsatzsteuer-Sonderprüfung auf Händler zukommt, erklärt ein eigener Beitrag.
Das heißt für dich: Bist du Unternehmer und lieferst im Inland gegen Entgelt, führst du auch als Shopify-Händler Umsatzsteuer ab.
Welcher Steuersatz gilt im Shop: 19 oder 7 Prozent?
Die Steuer beträgt für jeden steuerpflichtigen Umsatz 19 Prozent der Bemessungsgrundlage (§ 12 Abs. 1 UStG). Auf sieben Prozent ermäßigt sie sich für die Lieferungen der Gegenstände, die in Anlage 2 zum Gesetz aufgeführt sind (§ 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG). Welcher Satz für ein Produkt gilt, entscheidet also das Produkt, nicht der Shop. Prüfe die Anlage 2, bevor du einen ermäßigten Satz anwendest. Den Export aus Shopify beschreibt der Beitrag Shopify-Steuerbericht herunterladen.
Das heißt für dich: Das Produkt entscheidet über 19 oder 7 Prozent, nicht der Shop; prüfe die Anlage 2, bevor du den ermäßigten Satz anwendest.
Was gilt für Kleinunternehmer im eigenen Shop?
Dein Umsatz ist steuerfrei, wenn der Gesamtumsatz im vorangegangenen Kalenderjahr 25.000 Euro nicht überschritten hat und im laufenden Kalenderjahr 100.000 Euro nicht überschreitet (§ 19 Abs. 1 UStG). Fängst du im laufenden Jahr neu an, zählt allein dein Gesamtumsatz in diesem Jahr. Dann gilt die Grenze von 25.000 Euro (Abschnitt 19.1 Abs. 3 UStAE).
Als Kleinunternehmer gibst du in der Regel keine Umsatzsteuer-Voranmeldung ab. Du darfst die Umsatzsteuer nicht gesondert ausweisen und hast keinen Vorsteuerabzug (Finanzamt Hessen). Wann das Verfahren endet und was ein Verzicht bedeutet, steht in Umsatzsteuer-Voranmeldung als Kleinunternehmer.
Das heißt für dich: Als Kleinunternehmer weist du keine Umsatzsteuer gesondert aus und hast keinen Vorsteuerabzug.
Was gilt bei Verkäufen in andere EU-Länder? Über 10.000 Euro zählt das Zielland
Versendest du Ware an Privatkunden in einem anderen EU-Land, ist das ein innergemeinschaftlicher Fernverkauf. Als Ort der Lieferung gilt der Ort, an dem sich der Gegenstand bei Beendigung der Beförderung oder Versendung befindet (§ 3c Abs. 1 UStG). Das heißt: Die Umsatzsteuer des Ziellandes fällt an.
Für kleine Händler mit Sitz in nur einem Mitgliedstaat gibt es eine Ausnahme. Der Gesamtbetrag solcher Lieferungen und bestimmter Leistungen an Kunden in anderen EU-Ländern darf im Vorjahr 10.000 Euro nicht überschritten haben. Er darf es auch im laufenden Jahr nicht. Dann bleibt der Ort der Lieferung in Deutschland (§ 3c Abs. 4 Satz 1 UStG).
Du kannst dem Finanzamt erklären, dass du auf diese Ausnahme verzichtest. Die Erklärung bindet dich mindestens für zwei Kalenderjahre (§ 3c Abs. 4 Satz 2 und 3 UStG). Beispiele zur Schwelle: Fernverkauf nach § 3c UStG und OSS-Schwelle 10.000 Euro.
| Situation | Folge |
|---|---|
| EU-Fernverkäufe und bestimmte Leistungen: Vorjahr und laufendes Jahr nicht über 10.000 Euro, kein Verzicht | § 3c Abs. 1 UStG ist nicht anzuwenden, das Zielland-Prinzip gilt dann nicht. |
| Schwelle überschritten | Als Ort der Lieferung gilt das Land, in dem die Ware ankommt (§ 3c Abs. 1 UStG). |
Das heißt für dich: Über 10.000 Euro zählt bei Verkäufen an Privatkunden in anderen EU-Ländern das Zielland; darunter bleibt es beim deutschen Satz.
Wie erkläre ich die Steuer anderer EU-Länder zentral (OSS)?
Für Fernverkäufe im Gemeinschaftsgebiet kannst du am besonderen Besteuerungsverfahren (OSS) teilnehmen. Die Teilnahme zeigst du vor Beginn des Besteuerungszeitraums an, ab dem du das Verfahren nutzt. Im Inland ansässige Unternehmer zeigen sie beim Bundeszentralamt für Steuern an (§ 18j Abs. 1 und 2 UStG). Die Teilnahme gilt einheitlich für alle EU-Mitgliedstaaten und alle Umsätze nach Satz 1.
Die Steuererklärung übermittelst du innerhalb eines Monats nach Ablauf jedes Besteuerungszeitraums. Die berechnete Steuer ist am letzten Tag des folgenden Monats fällig (§ 18j Abs. 4 UStG). Schritt für Schritt: OSS-Registrierung beim BZSt und OSS-Meldung.
Das heißt für dich: Mit dem OSS erklärst du die Steuer anderer EU-Länder zentral, mit Anzeige vor Beginn und Zahlung zum Ende des Folgemonats.
Was gilt bei Verkäufen in Drittländer (Ausfuhr)?
Liefert dein Shop in ein Land außerhalb der EU, kann eine steuerfreie Ausfuhrlieferung vorliegen (§ 4 Nr. 1 Buchst. a, § 6 UStG). Sie liegt zum Beispiel vor, wenn der Unternehmer den Gegenstand in das Drittlandsgebiet befördert oder versendet hat (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 UStG). Die Voraussetzungen musst du nachweisen (§ 6 Abs. 4 UStG). Welche Steuern im Zielland anfallen, regelt das dortige Recht.
Das heißt für dich: Bei Ausfuhr in ein Drittland kann die Lieferung steuerfrei sein, wenn du den Nachweis führst.
Welche Fehler passieren oft?
- Den deutschen Steuersatz für alle EU-Kunden anwenden. Wird die Schwelle von 10.000 Euro überschritten, gilt als Ort der Lieferung das Zielland (§ 3c UStG).
- Die Schwelle nur im laufenden Jahr prüfen. Die Ausnahme verlangt, dass auch das Vorjahr nicht über 10.000 Euro lag (§ 3c Abs. 4 UStG).
- Den ermäßigten Satz auf alle Produkte anwenden. Er gilt nur für die Gegenstände der Anlage 2 (§ 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG).
- Ausfuhr ohne Nachweis steuerfrei behandeln. Die Voraussetzungen müssen nachgewiesen sein (§ 6 Abs. 4 UStG).
- Als Kleinunternehmer Umsatzsteuer ausweisen. Das ist nicht erlaubt (Finanzamt Hessen).
Das heißt für dich: Wende den deutschen Satz nicht auf alle EU-Kunden an, führe Ausfuhren nur mit Nachweis steuerfrei und weise als Kleinunternehmer keine Steuer aus.
So hilft dir VAT GPT dabei
VAT GPT ist die Steuer-Software für Online-Händler, Selbstständige und kleine Unternehmen in Deutschland. Sie berechnet und gibt an einem Ort ab, in dieser Reihenfolge:
- die OSS-Meldung
- die Umsatzsteuer
- die EÜR
- die Gewerbesteuer
- die Einkommensteuer
Verkaufst du neben deinem Shop auch über Amazon oder eBay, laufen alle Umsätze an einem Ort zusammen:
- Hochladen: Du lädst Amazon- oder eBay-Berichte als CSV hoch. Rechnungen und Belege lädst du als PDF oder Foto hoch. Die KI liest Beträge, Länder und Steuersätze aus.
- Prüfen: VAT GPT schlüsselt die Umsätze nach Deutschland und EU (OSS) auf. Daraus entstehen die Voranmeldung, monatlich oder vierteljährlich, und die OSS-Meldung für alle EU-Länder. Du prüfst und bestätigst.
- Senden: Mit VAT GPT Pro sendest du über ELSTER ans Finanzamt, die OSS-Meldung ans BZSt.
Häufige Fragen
Muss ich mit Shopify Umsatzsteuer zahlen? Ja, wenn du Unternehmer bist und Lieferungen im Inland ausführst. Für alle Umsätze befreit sind nur Kleinunternehmer innerhalb der Grenzen von 25.000 und 100.000 Euro, im Jahr der Gründung 25.000 Euro (§ 19 UStG, Abschnitt 19.1 Abs. 3 UStAE). Einzelne Lieferungen wie Ausfuhrlieferungen sind steuerfrei (§ 4 Nr. 1 Buchst. a UStG).
Welcher Steuersatz gilt in meinem Shop? Grundsätzlich 19 Prozent. Für die Gegenstände der Anlage 2 zum UStG gelten 7 Prozent (§ 12 UStG).
Ab wann zahle ich Umsatzsteuer in anderen EU-Ländern? Wenn du als Händler mit Sitz in nur einem Mitgliedstaat die Schwelle von 10.000 Euro Gesamtbetrag überschreitest oder auf die Ausnahme verzichtet hast (§ 3c Abs. 4 UStG). Dann gilt der Ort der Lieferung im Zielland.
Wie nehme ich am OSS teil? Du zeigst die Teilnahme vor Beginn des Besteuerungszeitraums beim BZSt an (§ 18j Abs. 1 UStG). Die Teilnahme gilt für alle EU-Mitgliedstaaten einheitlich.
Wie liefere ich steuerfrei in ein Drittland? Als Ausfuhrlieferung (§ 4 Nr. 1 Buchst. a, § 6 UStG), wenn die Voraussetzungen nachgewiesen sind.
Gelten die Regeln auch für andere Shop-Systeme? Ja. Die Umsatzsteuer richtet sich nach deinen Lieferungen, nicht nach der Software (§ 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG).
Weiterlesen
- Fernverkauf nach § 3c UStG: Lieferschwelle und Zielland
- OSS-Schwelle 10.000 Euro: Beispiele und Berechnung
- OSS-Registrierung beim BZSt: Schritt für Schritt
- Umsatzsteuer-Voranmeldung online abgeben
- Steuern für Online-Händler: Überblick für Amazon, eBay & Co.
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