Ab welchem Gewinn zahle ich als Amazon-Händler Gewerbesteuer?
Als Amazon-Händler zahlst du Gewerbesteuer erst, wenn dein Gewerbeertrag im Jahr über 24.500 Euro liegt; nur der Teil darüber wird besteuert. Bei 30.000 Euro Gewinn sind das bei einem Hebesatz von 400 Prozent 770 Euro, bei 18.000 Euro null, als Kleinunternehmer genauso wie als Regelbesteuerer.
Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2026
Kurz gesagt
- Freibetrag: Einzelunternehmer und Personengesellschaften haben 24.500 Euro Gewerbeertrag frei (§ 11 Abs. 1 GewStG).
- Rechnung: (Gewerbeertrag minus Freibetrag) mal 3,5 Prozent mal Hebesatz deiner Gemeinde.
- Kleinunternehmer: Die Kleinunternehmerregelung befreit nur von der Umsatzsteuer, nicht von der Gewerbesteuer.
Ist mein Amazon-Geschäft ein Gewerbebetrieb?
Der Gewerbesteuer unterliegt jeder stehende Gewerbebetrieb im Inland (§ 2 Abs. 1 GewStG). Ein Gewerbebetrieb ist eine selbständige, nachhaltige Tätigkeit mit Gewinnabsicht, mit der du am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr teilnimmst (§ 15 Abs. 2 EStG). Wer dauerhaft Ware über Amazon verkauft, um daran zu verdienen, erfüllt diese Merkmale in aller Regel. Ob das bei dir so ist, beurteilt am Ende das Finanzamt im Einzelfall.
Die Gewerbesteuer erhebt die Gemeinde, in der du eine Betriebsstätte hast (§ 4 Abs. 1 GewStG). Auch die Stätte der Geschäftsleitung ist eine Betriebsstätte (§ 12 AO). Bei Online-Händlern ist das meist die Gemeinde, von der aus sie ihr Geschäft führen, oft der eigene Wohnort.
Das heißt für dich: Wer dauerhaft über Amazon verkauft, um zu verdienen, betreibt in aller Regel einen Gewerbebetrieb; die Gemeinde mit deiner Betriebsstätte erhebt die Gewerbesteuer.
Wie rechne ich meine Gewerbesteuer aus?
Du startest mit dem Gewinn aus deinem Gewerbebetrieb. Der Gewerbeertrag ist dieser Gewinn, vermehrt und vermindert um Hinzurechnungen und Kürzungen (§ 7 GewStG). Er wird auf volle 100 Euro abgerundet, dann ziehst du den Freibetrag von 24.500 Euro ab (§ 11 Abs. 1 GewStG). Auf den Rest kommen 3,5 Prozent Steuermesszahl (§ 11 Abs. 2 GewStG). Das Ergebnis ist der Steuermessbetrag. Erst mit dem Hebesatz deiner Gemeinde wird daraus die Gewerbesteuer (§ 16 Abs. 1 GewStG).
So viel Gewerbesteuer fällt bei drei Gewinnhöhen an (erfundener Hebesatz von 400 Prozent, Einzelunternehmer, ohne Hinzurechnungen und Kürzungen):
| Gewerbeertrag (abgerundet) | Über dem Freibetrag | Steuermessbetrag (3,5 %) | Gewerbesteuer bei 400 % |
|---|---|---|---|
| 18.000 Euro | 0 Euro | 0 Euro | 0 Euro |
| 30.000 Euro | 5.500 Euro | 192,50 Euro | 770,00 Euro |
| 52.300 Euro | 27.800 Euro | 973,00 Euro | 3.892,00 Euro |
Die dritte Zeile rechnen wir Schritt für Schritt vor, mit einem Gewinn von 52.340 Euro:
| Schritt | Beispiel |
|---|---|
| Gewinn aus dem Gewerbebetrieb | 52.340 Euro |
| Gewerbeertrag, abgerundet auf volle 100 Euro | 52.300 Euro |
| Freibetrag | minus 24.500 Euro |
| Rest | 27.800 Euro |
| Steuermessbetrag (3,5 Prozent) | 973 Euro |
| Gewerbesteuer bei Hebesatz 400 Prozent | 3.892 Euro |
Deinen echten Hebesatz findest du bei deiner Gemeinde. Er ist grundsätzlich für alle Unternehmen dort gleich (§ 16 Abs. 4 GewStG). Gewinn ist hier das Ergebnis deiner Einnahmenüberschussrechnung; Amazon-Gebühren und andere Betriebsausgaben mindern ihn bereits. Mehr dazu in EÜR-Software für Online-Händler.
Das heißt für dich: Vom Gewerbeertrag gehen 24.500 Euro Freibetrag ab, auf den Rest kommen 3,5 Prozent und dann der Hebesatz deiner Gemeinde.
Was bleibt wirklich an Gewerbesteuer hängen?
Die Gewerbesteuer selbst ist keine Betriebsausgabe (§ 4 Abs. 5b EStG). Dafür mindert sie deine Einkommensteuer: Die Einkommensteuer ermäßigt sich um das Vierfache des Steuermessbetrags, höchstens aber um die tatsächlich zu zahlende Gewerbesteuer (§ 35 Abs. 1 EStG). Im Beispiel sind das 4 mal 973 Euro, also 3.892 Euro.
Liegt der Hebesatz deiner Gemeinde höher, bleibt ein Rest bei dir. Bei 450 Prozent wären es 4.378,50 Euro Gewerbesteuer. Angerechnet werden höchstens 3.892 Euro, bei dir bleiben 486,50 Euro. Wie viel du davon tatsächlich anrechnen kannst, hängt außerdem vom Ermäßigungshöchstbetrag ab (§ 35 Abs. 1 Satz 2 EStG). Den rechnet das Finanzamt in deiner Einkommensteuererklärung aus.
Das heißt für dich: Die Gewerbesteuer mindert nicht den Gewinn, aber deine Einkommensteuer; ein Rest bleibt bei dir, wenn der Hebesatz hoch ist.
Gilt die Kleinunternehmerregelung auch für die Gewerbesteuer?
Nein. Die Kleinunternehmerregelung macht bestimmte Umsätze von der Umsatzsteuer frei: wenn dein Gesamtumsatz im Vorjahr 25.000 Euro nicht überschritten hat und im laufenden Jahr 100.000 Euro nicht überschreitet (§ 19 Abs. 1 UStG). Im Gründungsjahr gilt nur die Grenze von 25.000 Euro (Abschn. 19.1 Abs. 3 UStAE). Die Gewerbesteuer hängt dagegen am Gewerbebetrieb und am Gewerbeertrag. Auch als Kleinunternehmer gilt also der Freibetrag von 24.500 Euro, und auch dann kann eine Gewerbesteuererklärung fällig sein. Wo die Umsatzgrenzen liegen, steht in Kleinunternehmerregelung 2026: Grenzen und Folgen.
Das heißt für dich: Die Kleinunternehmerregelung befreit dich nicht von der Gewerbesteuer; der Freibetrag von 24.500 Euro gilt trotzdem.
Wann gebe ich die Gewerbesteuererklärung ab?
Die Erklärung zur Festsetzung des Steuermessbetrags übermittelst du elektronisch (§ 14a GewStG), in ELSTER mit dem Formular GewSt 1 A. Du musst sie abgeben, wenn
- dein Gewerbeertrag den Betrag von 24.500 Euro überstiegen hat,
- zum Schluss des Vorjahres Fehlbeträge gesondert festgestellt waren oder
- das Finanzamt sie besonders verlangt (§ 25 Abs. 1 GewStDV).
Ohne Steuerberatung gilt: sieben Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, für 2026 also Montag, der 2. August 2027 (§ 149 Abs. 2, § 108 Abs. 3 AO); mit Steuerberatung Ende Februar 2028 (§ 149 Abs. 3 AO). Bei Verspätung kann ein Verspätungszuschlag festgesetzt werden (§ 152 Abs. 1 AO).
Zahlen musst du in Vorauszahlungen am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November, wenn die Gemeinde sie festsetzt; jede beträgt grundsätzlich ein Viertel der Steuer der letzten Veranlagung (§ 19 GewStG). Wie sie sich bei Online-Händlern entwickeln, steht in Gewerbesteuer-Vorauszahlung für Online-Händler; die Erklärung selbst in Gewerbesteuererklärung: Wer muss sie abgeben?.
Das heißt für dich: Du gibst die Erklärung elektronisch ab, wenn dein Gewerbeertrag über 24.500 Euro liegt, Fehlbeträge festgestellt sind oder das Finanzamt es verlangt.
Und wenn ich Betriebsstätten in mehreren Gemeinden habe?
Dann wird der Steuermessbetrag auf die Gemeinden verteilt (§ 28 Abs. 1 GewStG) und du gibst zusätzlich eine Zerlegungserklärung ab (§ 14a GewStG), siehe Gewerbesteuererklärung: Wer muss sie abgeben?.
Das heißt für dich: Mit mehreren Betriebsstätten verteilt sich der Steuermessbetrag auf die Gemeinden und du gibst zusätzlich eine Zerlegungserklärung ab.
So hilft dir VAT GPT dabei
VAT GPT ist die Steuer-Software für Online-Händler, Selbstständige und kleine Unternehmen in Deutschland. Sie berechnet und gibt an einem Ort ab, in dieser Reihenfolge:
- die OSS-Meldung
- die Umsatzsteuer
- die EÜR
- die Gewerbesteuer
- die Einkommensteuer
Die Gewerbesteuererklärung braucht deinen Gewinn. Der kommt aus deinen Amazon-Zahlen.
- Hochladen: Lade deinen Amazon-Bericht und deine Rechnungen hoch. Die KI liest Beträge, Länder und Steuersätze aus.
- Prüfen: Du prüfst und bestätigst die Werte und erstellst im selben Konto deine EÜR. Die Gewerbesteuererklärung übernimmt den Gewinn aus der EÜR und zeigt dir Gewerbeertrag, Freibetrag und Steuermessbetrag. Trägst du den Hebesatz deiner Gemeinde ein, zeigt VAT GPT dir zusätzlich die Gewerbesteuer an. Den Hebesatz übermittelt VAT GPT nicht ans Finanzamt, er dient nur der Anzeige.
- Senden: Mit VAT GPT Pro sendest du die Erklärung über ELSTER.
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Häufige Fragen
Muss ich als Amazon-Händler Gewerbesteuer zahlen? Wenn dein Gewerbeertrag über 24.500 Euro liegt, ja. Darunter ist der Steuermessbetrag null.
Gilt der Freibetrag auch für eine GmbH? Nein. Die 24.500 Euro gelten bei natürlichen Personen und Personengesellschaften (§ 11 Abs. 1 GewStG).
Muss ich die Gewerbesteuererklärung abgeben, obwohl ich nichts zahle? Nur in den Fällen von § 25 Abs. 1 GewStDV:
- Dein Gewerbeertrag liegt über 24.500 Euro.
- Es sind Fehlbeträge festgestellt.
- Das Finanzamt fordert dich auf.
Bei Zweifeln fragst du dein Finanzamt.
Kann ich die Gewerbesteuer von der Steuer absetzen? Nicht als Betriebsausgabe (§ 4 Abs. 5b EStG), aber über die Anrechnung auf die Einkommensteuer (§ 35 EStG).
Wie hoch ist der Hebesatz? Das bestimmt deine Gemeinde, und er ist für alle Unternehmen dort gleich. Bestimmt sie keinen höheren, beträgt er bis 2026 200 Prozent und ab dem Erhebungszeitraum 2027 280 Prozent (§ 16 Abs. 4, § 36 Abs. 5b GewStG).
Zahle ich Gewerbesteuer, wenn ich Verlust mache? In der Regel nicht: Der Gewerbeertrag baut auf deinem Gewinn auf (§ 7 GewStG). Ein Verlust kürzt außerdem Gewerbeerträge späterer Jahre (§ 10a GewStG).
Gilt der Freibetrag, wenn ich nur nebenbei bei Amazon verkaufe? Der Freibetrag gilt für natürliche Personen und Personengesellschaften, ob du hauptberuflich oder nebenbei verkaufst (§ 11 Abs. 1 GewStG). Ob dein Nebenverdienst ein Gewerbebetrieb ist, steht oben im ersten Abschnitt.
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